Orthopädie & Unfallchirurgie
Frakturen (Diagnostik, ärztliche Sofortmaßnahmen): Diagnose
Frakturen
Definition
Knochenbruch, Kontinuitätsunterbrechung eines Knochens, ev. Bildung von Fragmenten (Bruchstücken)
Ursachen
- Knochen hat eine ausgezeichnete Druckfestigkeit, etwas geringere Zugfestigkeit, ist aber wenig elastisch.
- Knochen kann nur um ca. 2 % der ursprünglichen Länge gedehnt werden, bevor er zerreißt.
- Auslösung eines Knochenbruchs durch:
1. direkte Gewalteinwirkung (z.B. Schlag oder Stoß) mit unmittelbar am Ort erfolgender Fraktur
2. indirekte, frakturferne Gewalteinwirkung (Hebelwirkung)
3. wiederholte Einwirkung von Mikrotraumen (Ermüdungsbruch)
4. inadäquates Trauma bei vorgeschädigtem Knochengewebe (sog. pathologische Fraktur)
Klinische Einteilung
1. geschlossene Fraktur ohne Verletzung der Haut (Weichteilverletzung subcutan dennoch möglich!)
2. offene Fraktur mit Haut- und ggf. ausgeprägter Weichteilverletzung unterschiedlicher Schweregrade
Frakturen an den Gliedmaßen
Symptome
Sichere Zeichen:
- Deformität
- abnorme Beweglichkeit
- Knochenreiben
- im Zweifelsfall immer 6-Stunden-Maximalgrenze bis zur irreversiblen Nerven- und Muskelschädigung
Cave: Kompartmentsyndrom (oder Logensyndrom), kann zu neuromuskulären Ausfällen und Muskelnekrosen führen!
Merke: Jeder Frakturverdacht erfordert Röntgenuntersuchung in 2 Ebenen.
Obere Gliedmaßen
Diagnostik
Klassische Frakturzeichen: schmerzhafte Bewegungseinschränkung, Schwellung, Hämatom.
Funktionsprüfung:
- Arterienpulse im Bereich der Fraktur und distal davon
- Sensibilität aller Fingerkuppen
- Funktion des N. radialis (aktive Handhebung); bei Oberarmschaftfrakturen bes. gefährdet
Cave: Kahnbeinfraktur wird leicht übersehen. Typisch bei Sturz auf die überstreckte, ulnar abduzierte Hand (Inline-Skating, Schlittschuhlaufen), typisch ist der Druckschmerz in der Tabatiere.
Untere Gliedmaßen
Diagnostik
Klassische Frakturzeichen:
- schmerzhafte Bewegungseinschränkung
- Schwellung
- Hämatom
Bei hüftnahen Frakturen:
- Fehlstellung mit Außenrotation und Verkürzung des Beines
- Abheben des Beines von der Unterlage nicht möglich
Pulse
- Fußrücken: A. dorsalis pedis; hinterer Innenknöchel: A. tibialis posterior
N. peroneus (aktive Fußhebung)
Sensibilität
Wirbelbrüche
Anamnese
adäquates Trauma oder Spontanfraktur
Frakturformen im BWS- und LWS-Bereich
Vorderkantenabbruch
meist keine Therapie nötig
Kompressionsfraktur
meist keilförmig
Berstungsfraktur
meist Höhenverminderung des gesamten Wirbelkörpers
Distraktionsfraktur oder Chance-Fraktur mit horizontalem Frakturspalt
meist bei Autounfällen mit Beckengurt
Luxationsfrakturen
- bei Beteiligung der dorsalen Strukturen des Wirbelkörpers oder Instabilität aller 3 Säulen (3-Säulen-Modell s.u.)
- Gefahr der Einengung des Wirbelkanals und je nach Höhe entsprechende Nerven- oder Myelonverletzung
- Lokalisation meist thorakolumbaler Übergang T12 - L1 - L2
Sonderformen
- Eventuell retropharyngeales Hämatom (Schluckbeschwerden)
- Besondere Befunde HWS: Atlasfrakturen, atlantoaxiale Instabilität, Frakturen des Dens axis.
- Besondere Befunde BWS: Instabilitäten seltener
- Besondere Befunde LWS: selten neurologische Alteration (ca. 7 %)
Diagnostik
Röntgen
- Übersichtsaufnahme in 2 Ebenen, ggf. 45°-Schrägaufnahmen
- Bei HWS-Problematik Dens-Darstellung erforderlich (transorale Aufnahme)
- Nach Frakturausschluss! Prima vista zur Diagnose einer Gefügestörung (Bandzerreißungen) Funktionsaufnahmen der Wirbelsäulenabschnitte in maximaler aktiver Inklination und Reklination
CT
zur schnellen Diagnostik, vor allem der knöchernen Verhältnisse
MRT
zur genauen Darstellung der Schädigung des Myelons
Beurteilung, ob stabile oder instabile Fraktur, sinnvoll durch 3-Säulen-Diagnostik:
- Vordere Säule = vorderes Längsband, vordere 2/3 des Wirbelkörpers und des Anulus fibrosus mit Wirbelkörpervorderkante
- Mittlere Säule = hinteres Längsband, hinteres 1/3 des Wirbelkörpers und des Anulus fibrosus mit Wirbelkörperhinterkante und Bogenwurzeln
- Hintere Säule = Ligamenta flava, supra- und intraspinalia, posteriore Wirbelelemente, Facettengelenkskapseln
Instabilität liegt vor bei 2 oder 3 betroffenen Pfeilern oder pathologischer Beweglichkeit der Wirbelsegmente

Schädelbruch
Kalotten- oder Basisbruch. Therapie nicht erforderlich, jedoch aufmerksame Beobachtung. Kein Rückschluss auf Hirnschädigung möglich! Bei Gesichtsschädelfraktur Kieferchirurgen hinzuziehen (siehe Schädel-Hirn-Trauma)
Diagnostik
- Brillen/Monokel/Hämatom
- Pupillendiagnostik
Cave: Subduralhämatom, lucides Intervall
Letztes Update:19 Mai, 2011 - 16:26








